Meine dunkle Seite

oder… was man machen muss, um die Heilpraktiker-Prüfung garantiert nicht zu bestehen

Ich glaube, jeder kennt diese Phasen.

Phasen, in denen man einfach nicht lernen kann. Will.

Man liest sich einen Text durch. Und nichts bleibt hängen.

Man liest den Absatz noch mal. Und noch mal. Nichts.

Da vibriert das Handy (das natürlich nicht auf lautlos steht – man will zwar lernen, aber nichts verpassen), der Postbote klingelt, um ein Paket für die Nachbarn abzugeben und man bekommt Hunger oder muss auf Toilette. Fünf Minuten später entdeckt man Wollmäuse auf dem Boden unter dem Schreibtisch, die zwar schon seit Monaten dort liegen und bisher niemanden dort gestört haben, aber auf einmal müssen sie weg. Oder man kommt dahinter, dass man noch ganz viel dreckige Wäsche hat, die unbedingt noch gewaschen werden muss.

Alles erscheint einem wichtiger, als sich jetzt vor die Bücher zu setzen und zu lernen.

Und den ganzen Zirkus, den man da selbst veranstaltet, spielt man tatsächlich eine Weile mit.

Bis die Zeit wirklich anfängt zu rennen. Irgendwann ist es doch nicht so wichtig, ob die Wohnung aufgeräumt ist. Auf einmal bist du fokussiert, denn du weißt: Jetzt geht es um die Wurst.

Meistens geht dieses Konzept auf. Meistens.


Nach der schriftlichen HP-Psych-Prüfung war da auf einmal dieses riesige schwarze Loch.

In das ich hingefallen bin und nicht mehr alleine herauskam.

Die Luft war raus. Monatelang hatte ich mit meiner Lerngruppe geackert, Bücher gewälzt und Prüfungsfragen bis zum Umfallen geübt. Zwischendurch noch geheiratet (okay, das war mehr als nur zwischendurch, aber das hörte sich irgendwie cool an 😊).

Theoretisch lernte ich. Praktisch saß ich da vor meinem Schreibtisch und starrte in die Leere. Immer und immer wieder.

Während meine Lerngruppe für die mündliche Prüfung noch mal die Schlagzahl erhöhte und zur Höchstform auflief, stolperte ich müde und abgekämpft hinterher.

Als meine Lernkommilitonen die Prüfung alle drei erfolgreich absolvierten, hatte ich noch zwei Wochen Zeit zum Lernen. Und es tat sich… nichts.

Meine Lerngruppe versuchte zu intervenieren. Zu motivieren. Prüfungen mit „netten Prüfern“ mit mir zu simulieren. Aber ich sprang einfach nicht darauf ein. Ich fühlte mich hilflos. Und verstand es nicht – verstand mich nicht.


Bis ich eines Abends eine Nachricht von einer Kommilitonin bekam. Ich solle bei ihr abends vorbeikommen. Man muss dazu wissen, dass sie schon einige Zeit erfolgreich als Coach arbeitete. Mir schwante schon, dass das kein einfacher Abend wird. Das war es auch nicht, dafür war er sehr wertvoll.

Es tat gut, sich meine Blockade gemeinsam in aller Ruhe anzugucken. Meinen persönlichen Widerstand gegen die Prüfung.

Wieso ich auf plötzlich stoppte“ beim Lernen – bei einer Sache, die mir doch eigentlich so wichtig war. Meiner Herzensangelegenheit. Wo ich doch schon so weit gekommen war.

Es bewies sich einmal mehr, dass man manchmal einfach etwas Unterstützung von außen braucht. Und einen geschützten Raum, in dem wieder zurück zu sich selbst finden kann.

Nach dem Abend waren zwar noch nicht alle Probleme beseitigt, aber ich konnte mir selbst die Lernblockade erklären. Und da löste sie sich automatisch auf.

Es war zwar immer noch ein Rennen gegen die Zeit, aber diesmal unter ganz anderen Voraussetzungen. Und wie ihr wisst: Irgendwie hat es dann ja doch mit der Prüfung hingehauen.

 

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