Was ich am Berufsbild „Heilpraktiker für Psychotherapie“ schätze

… und ein Gespräch unter Freunden, das mich nachdenklich gemacht hat.

Ich sitze zwischen meinen Freunden – wir genießen den Moment zu sechst und sprechen über Gott und die Welt. Da kommen wir wieder auf das Thema Weiterbildung. Die Weiterbildung, die mich auf die HP-Psych-Prüfung vorbereitet.

Zwei unserer Freunde arbeiten im ärztlichen Bereich und sind neugierig. Neugierig wie ich meine Freizeit in letzten Monaten verbracht habe. Und neugierig auf meine „mysteriöse“ Weiterbildung.

Ich spüre auch etwas Skepsis … und dass diese Skepsis etwas mit mir macht.

Ich bin angespannt.


„Wie, deine Weiterbildung dauert nur ein Jahr? Danach darfst du schon therapieren?“

„Naja, theoretisch schon. Wenn ich die schriftliche und mündliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt schaffe. Aber jeder Heilpraktiker für Psychotherapie muss in seinen Methoden qualifiziert ausgebildet, bevor er sie einsetzen darf.“

„Aha – und wofür ist dann die Überprüfung?“

„Die Überprüfung soll zeigen, dass ich keine Gefahr für die Volksgesundheit bin, wenn ich als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeite.“

„Gefahr für die Volksgesundheit – oha! Was lernst du denn so für die Überprüfung?“

„Also, im Prinzip lernen wir alle psychischen Störungen nach ICD-10 kennen. Dann Anamnese, Diagnose. Therapiemöglichkeiten. Medikamentenkunde.“

„Sag mal, Heilpraktiker für Psychotherapie können ja gar nicht mit der Kasse abrechnen. Hast du mal überlegt, wie du überhaupt an Klienten kommen willst? Und wie willst du dich spezialisieren?“


So viele Fragen. Fragen, die absolut berechtigt sind und die ich häufiger bekomme. Sie lassen mich jedes Mal nachdenklich werden. Denn ich habe noch keine Antworten auf all diese Fragen. Ehrlich gesagt: Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie ich genau an Klienten kommen werde und wie meine Spezialisierung aussieht.


Ich weiß allerdings, dass ich Heilpraktiker für Psychotherapie aus mindestens den folgenden Gründen sehr schätze:

  1. Für mich persönlich ist der Heilpraktiker für Psychotherapie eine wundervolle Möglichkeit, mir selbst einen Herzenswunsch zu erfüllen, ohne dafür noch mal als Vollzeit-Studentin bei „Null“ anzufangen.
  2. Durch den Heilpraktiker für Psychotherapie bekommen auch diejenigen eine Behandlung, die sonst bei Psychotherapeuten oder Psychiaterin noch lange auf einen Therapieplatz warten müssten.
  3. Und außerdem bemerkenswert: Die Behandlung durch den Heilpraktiker für Psychotherapie wird zwar nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen. Aber: Heilpraktiker für Psychotherapie sind nicht nur begrenzt auf die wissenschaftlich fundierten anerkannten Psychotherapiemethoden (Verhaltenstherapie, analytische und tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie und systemische Therapie – von denen übrigens nur die ersten drei von der Krankenkasse bezahlt werden). HP Psychs dürfen alle (!) psychotherapeutischen Methoden anwenden, die es gibt bzw. in denen sie ausgebildet sind. Und das ist doch fabelhaft. Als erfahrener HP Psych habe ich irgendwann einen großen Baukasten an therapeutischen Methoden und kann diejenigen anwenden, die zum Klienten passen und die mir in Absprache mit dem Klienten am geeignetsten erscheinen. Diese Flexibilität auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen ist mir ungeheuer wichtig.

Auf diese Gründe bin ich damals im Gespräch wahrscheinlich nicht gekommen – oder zumindest kann ich mich nicht mehr genau dran erinnern, was ich damals erwidert habe.

Aber es scheint nicht völliger Nonsens gewesen zu sein, denn ein paar Wochen später bekam ich von meinen Freunden zum Geburtstag das wundervolle Buch „Der Panama-Hut oder Was einen guten Therapeuten ausmacht“ von Irvin D. Yalom geschenkt. Mit der kleinen Neben-Bemerkung „Das lesen jetzt alle Therapeuten bei uns in der Klinik.“

Ebenso wertvoll wie das Buch, ist die Geste für mich.

Denn mit diesem Geschenk habt ihr mir das Gefühl vermittelt, dass ihr an mich glaubt. Auch wenn ihr den Weg vielleicht als etwas unorthodox wahrnehmt. Und dafür danke ich euch!

 

2 Kommentare zu „Was ich am Berufsbild „Heilpraktiker für Psychotherapie“ schätze

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