Gedächtnisprotokoll von meiner mündlichen Prüfung – Mein Tagebuch 05.12.2017

Mein Moment der Wahrheit

Ich habe etwa eine dreiviertel Stunde vor dem Prüfungsraum gewartet und war natürlich viel zu früh. Da saß ich nun und wartete. Und wartete… .

Irgendwann war es aber dann doch soweit.


Im Großen und Ganzen lief die Prüfung ab wie folgt:

1. Ich werde gefragt, ob ich mich gesundheitlich im Stande sehe, die Prüfung heute abzulegen. Jupp!

2. Dann bekomme ich die Aufforderung mich vorzustellen. Ein Kommentar bleibt mir besonders im Gedächtnis: Ich dachte, Sie möchten sich hier auf eine Stelle im Einkauf bewerben. Wo ist die für die den Heilpraktiker für Psychotherapie relevante Erfahrung? Diese Provokation bringt mich natürlich ins Schwitzen. Denn ich habe keine Erfahrung als Therapeut. Darf man ja auch nicht. Das sage ich auch. Und auf meinen Lehrgang letztes Jahr weise ich auch hin, genau so wie auf die Weiterbildung, die ich seit Oktober angefangen hatte. Die Prüfungskommission bleibt allerdings skeptisch und beharrt darauf, dass meine Weiterbildung eigentlich abgeschlossen sein müsste.

3. Meine erste richtige Aufgabe: Erklären Sie die Entstehung von Neurosen nach Freud. Nach einem kurzen Knoten in meinem Kopf lege ich los. Stichworte: Innerseelischer Konflikt, seelischer Apparat etc.

4. Weiter geht’s: Wie entstehen Depressionen (Stichwort multifaktoriell); was passiert im Gehirn bei Depressionen und wie wirken Antidepressiva? (Stichworte: Mangel von Serotonin und Noadrenalin)

5. Und dann kommt mein persönlicher Albtraum. Ein Thema, auf das ich mich nicht vorbereitet hatte…: Wo sitzt das zentrale Nervensystem? Gehirn und Rückenmark. Zeigen Sie das mal! Gesagt getan. Dann: Zeichnen Sie zwei Nervenzellen auf. Mit synaptischen Spalt? Ja. Ich zeichne zwei Nervenenden mit Rezeptoren und synaptischen Spalt auf. Schemenhaft, was meine Erinnerung so hergibt. Genauer! Ich gerate ins Stocken. Ich weiß es nicht genauer. Okay, was ist denn der Unterschied zum peripheren und vegetativen Nervensystem? Ich muss passen. Seufzen auf der anderen Seite. Unruhe auf meiner Seite. Noch mehr Fragen. Ich war früher während der Schulzeit in Bio eine Null und ich fühle mich grauenhaft deswegen. Aber da bleibt jetzt keine Zeit für, denn es geht schon weiter.

6. Kurze Fallgeschichte: Ein Fall wird vorgelesen – ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, worum es genau ging. Ich weiß nur, dass bei mir sofort die Alarmglocken angingen wg. Suizidgefahr und das habe ich auch als Erstes angegeben. Dann soll ich Fragen stellen an die Patientin.  Anschließend habe ich die Symptome zusammengefasst. Danach die Verdachtsdiagnose: Schwere Depression. Als Nächstes  zähle ich die verschiedenen Symptome auf und differenziere zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression.  Mit psychotischem Syndrom und ohne. Zum Schluss erkläre ich noch das somatische Syndrom. Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich gedanklich immer noch bei den Nervensystemen. Und beiße mir innerlich in den Arsch. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Nächste Runde… .

7. Welche psychische Störung fällt Ihnen zum Thema Spaltung ein? Dissoziative Störung? Warum? Abspaltung von Erinnerungen und Persönlichkeitsanteilen. Ja, aber das meine ich nicht. Puh! Was meinen Sie denn? Ich wühle in meinem Gedächtnis. Schizophrenie? Nein, was hat denn Schizophrenie mit Spaltung zu tun? Wortwörtliche Bedeutung (schizein griechisch = spalten). Nein, das ist nicht gesucht. Bitte weiterdenken. Nachdenken. Irgendwas übersehe ich. Spaltung. Von was? Abspaltung? Gut und böse? Schwarz und weiß? Borderline! Ja, das ist es. Was wissen Sie über Persönlichkeitsstörungen? Was haben Persönlichkeitsstörungen gemeinsam und was kennzeichnet den Bordeline-Typ?

8. Zum Schluss kommen wir noch mal auf Schizophrenie und die unterschiedlichen Unterformen und die typischen Wahninhalte. Das ist mal ein Heimspiel. Und mit ganz gemischten Gefühlen – auf beiden Seiten – werde ich aus dem Raum gebeten, damit sich die drei Prüfer besprechen können.


Ich habe wahrscheinlich einiges vergessen, was ich noch gefragt wurde.  Ich hatte ein miserables Gefühl, weil die Neurobiologie eine Katastrophe war. Dessen war ich mir absolut bewusst und auch sonst hakte ich hier und da, aber die Prüfer waren fair und haben, wenn sie es bemerkt haben, ihre Fragen noch mal anders formuliert, das hat mir immer sehr weitergeholfen. Ob es trotzdem gereicht hatte?! Ja, hatte es – zum Glück.

Frau Blacquière, Sie haben bestanden, ABER Ihre neurobiologischen Kenntnisse sind nicht einmal auf dem Niveau der Sekundarstufe I. Dem konnte ich nichts entgegensetzen. Ich hatte die Auflage erhalten, mich mit dem Thema noch mal zu beschäftigen (was ich auch mache). Und: Es wurde anerkannt, dass ich bzgl. Krankheitsbilder gute Kenntnisse mitbringe, durch das Verknüpfen von Themen habe ich ein umfassendes Verständnis bewiesen und es wurde auch darauf eingegangen, dass ich in der Prüfungssituation in der ganzen Zeit ruhig geblieben bin. Also: Trotz der Krisensituation habe ich die Prüfung bestanden – das sollte jedem Kandidaten Mut machen!

Und bitte: Wenn ihr auch so Experten wie ich in Bio wart, lernt noch mal die Grundlagen der Neurologie nach.

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